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AKTUELLE MELDUNG VOM 01.11.2012
Kinder als "kleine Verbraucher" - Eine Fachkonferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung

Ein sehr wichtiges, leider oft nicht allzu beachtetes Thema, ist die Auseinandersetzung mit der Frage, welche Rolle Kinder eigentlich in unserer Gesellschaft als "kleine Verbraucher" spielen.

 

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Zum Glück gab es hierzu in der vergangenen Woche einmal eine sehr gute öffentliche Fachkonferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung. Dort diskutierten neben Elvira Drobinski-Weiß, der verbraucherpolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, auch Vertreter aus der Wissenschaft, der Wirtschaft sowie Gerd Billen vom Vorstand der Verbraucherzentrale, lebhaft miteinander sowie mit dem anwesenden Publikum, dass sich teilweise auf wirklich hohem fachlichen Niveau beteiligte.
Kinder als "kleine Verbraucher" sind für die Wirtschaft vor allem eins: Ein harter, wirtschaftlicher Faktor! 6 Milliarden Euro stehen den unter 13-jährigen jährlich allein in Deutschland zur freien Verfügung. Und in diese Summe ist das Geld, das Kinder durch den Einfluss auf die Kaufentscheidung ihrer Eltern in Bewegung setzten, nicht einmal mit eingerechnet. Bei den 13- bis 20-jährigen sind es dann noch einmal 20 Milliarden Euro. Beeindruckende Zahlen, die wiederum aber auch verständlich machen, warum die Wirtschaft gerade in die Werbung für Kinder selbst auch enorme Summen investiert. So finden sich in über 40% aller Werbeaktionen Elemente, die gezielt Kinder ansprechen. Selbst wenn das Produkt sich gar nicht direkt an die Kinder wendet.
Einig ist sich die Wissenschaft aufgrund zahlreicher Untersuchungen darin, dass Werbung für Kinder - dies gilt ja für Erwachsene im Übrigen auch - wirkt! Wenn ein Produkt beworben wird, dann wollen die Kinder dieses Produkt in der Regel auch haben. Alleine zwischen 12.000 und 19.000 Werbespots sieht ein Kind dabei im Durchschnitt jährlich. Und dass, obwohl sie das manipulative System hinter der Werbung gerade in jungen Jahren nicht verstehen und mit den Emotionen, die die Werbung erzeugt, nicht umgehen können. Dazu kommt: Je jünger Kinder mit dem sogenannten „gefährlichen Konsum“ – also Medien, Nahrungsmittel (vor allem Süßigkeiten), Tabak und Alkohol – beginnen, desto früher und stärker zeigen sich dessen Folgen und desto schwerer sind diese wieder behebbar.
Doch wie so oft, so zeigte sich auch im Laufe dieser Diskussion, dass die Zusammenhänge eben doch nicht immer so einfach zu benennen sind. Denn auch dort, wo Werbung, die sich gezielt an Kinder richtet, verboten ist (etwa in Quebec), ist beispielsweise die Rate der übergewichtigen Kinder nicht niedriger. Maßgeblich ist hier viel eher das sozioökonomische Milieu, aus dem die Kinder stammen. Und so war sich die Runde zumindest über eine Forderung recht schnell einig: Wir brauchen nicht nur eine gute Medienpädagogik, sondern auch eine Verbraucherpädagogik – wobei sich beides sicherlich sowieso nicht trennen lässt.
Inwiefern eine strengere Gesetzgebung bei dieser Problematik weiterhelfen könnte – darüber hingegen herrschte auf dem Plenum Uneinigkeit. Ein Problem für eine rechtliche Regelung, die Werbung für Kinder generell verbietet, ist etwa die Abgrenzung dieser Werbung. Denn: Kinderwerbung ist, wenn Kinder Werbung sehen! Und gerade die neuen Medien lassen eine klare Trennung zwischen Kinder- und Erwachsenenprogramm ja kaum noch zu. Und grundsätzlich stellt sich natürlich sowieso die Frage, inwieweit es überhaupt gelingen kann, Kinder von einem zentralen Teil unseres Gesellschaftssystems, nämlich der Funktionsweise eines kapitalistischen Marktes, fernzuhalten. Denn Konsum, und die Frage nach dem Umgang mit einem unbegrenzten Warenangebot stellen sich ohnehin, auf Dauer lässt sich das auch mit Verboten wohl nicht umgehen.
Ein spannendes, vielschichtiges Thema also, an dem man unbedingt dran bleiben sollte!

 
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