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Divestment - eine Chance für das Klima

Immer öfter fällt in der öffentlichen Debatte um Klimaschutz und Energiepolitik der Begriff Divestment. Auch die Enquete-Kommission "Neue Energie für Berlin" emfpiehlt Divestment als einen sinnvollen Baustein einer verantwortlichen Klimaschutzpolitik. Doch was genau ist damit eigentlich gemeint?

 

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Divestment ist das Gegenteil einer Investition und bedeutet den Abzug von Geldern aus kritischen Wirtschaftsbereichen, die ihre moralische, gesellschaftliche oder politische Akzeptanz verlieren. Dazu zählen z.B. die Rüstungsindustrie, Produkte aus Kinderarbeit und Sklaverei oder umweltschädliche Konzerne.

Auch im Bereich Klimaschutz gilt Divestment als wirkungsvolles Instrument, um den Umbau der Energiewirtschaft mit erneuerbaren Energien zu beschleunigen und klimaschädliche Energieformen zu begrenzen. In der Kritik stehen die 200 größten Kohle,- Öl- und Gaskonzerne wie z.B. RWE, Total, Vattenfall und Exxon, weil sie mit hohen CO2-Emissionen den Klimawandel anheizen. Seit 2013 haben sich deshalb weltweit mehr als 500 Großinvestoren – darunter Kirchen, Universitäten, Versicherer, Stiftungen und Städte – finanziell aus fossilen Brennstoffprojekten zurückgezogen. Ausgestiegen sind z.B. der US-Fonds der Rockefeller-Stiftung, Norwegens staatlicher Pensionsfonds, der französische Versicherungskonzern AXA und 58 Städte wie Oslo, Seattle, Oxford und Münster. Zusammen verwalten sie ein Vermögen von rund 3.100 Milliarden Euro – eine Summe, die in nur einem Jahr von 2014 bis 2015 um das 70-fache anstieg. Das bringt auch andere Investoren zum Nachdenken.

Geldverdienen auf Kosten des Klimas verliert nicht nur an sozialer Akzeptanz, sondern ist inzwischen auch ein finanzielles Risiko. Denn die Börsenwerte fossiler Energiekonzerne leiten sich aus den fossilen Rohstoffreserven ab, die sie in Zukunft fördern, verkaufen und verbrennen wollen. Wissenschaftler haben berechnet, dass 60 bis 80% der bekannten Vorräte im Boden bleiben müssen, um die Erderwärmung unterhalb der international festgelegten Grenze von 1,5 Grad Celsius zu halten und weitere Klimaschäden zu verhindern. Wenn nun politische Maßnahmen zum Schutz des Klimas und zur Senkung der CO2-Emissionen greifen, wie sie mit dem Pariser Klimaabkommen Ende 2015 von fast 160 Staaten beschlossen wurden, wird ein Großteil dieser Reserven wertlos („stranded assets“). Experten warnen deshalb schon lange vor dem Platzen einer neuen Finanzblase (Kohlenstoffblase oder „carbon bubble“ genannt), weil der Schritt der finanziellen Dekarbonisierung zu lange hinausgezögert wird. Massive Verluste drohen Anlegern, die an fossilen Investitionen festhalten.

Positive Beispiele für eine finanzielle Energiewende gibt es inzwischen aber auch in Deutschland. Als erste deutsche Stadt hat Münster Divestment beschlossen und kündigte an, alle klimaschädlichen Beteiligungen innerhalb von sechs Monaten bis spätestens April 2016 zu beenden. Von ihren fossilen Investments trennten sich kurz darauf auch der Versicherungskonzern Allianz, die evangelische Landeskirche Hessen-Nassau und das Presseversorgungswerk mit seinen 120.000 versicherten Journalisten und Medienschaffenden. Sie alle argumentieren mit ihrer Verantwortung für den Schutz des Klimas und finanziellen Verlustrisiken. Anderen Investoren gibt das Sicherheit, ihre eigene Entscheidung zu treffen.

Wer noch mehr über das Thema erfahren oder selbst aktiv an der Verbreitung dieser Idee mitarbeiten möchte, findet alles wichtige dazu bei der Initiative fossil free berlin.

 

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