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"IGeL" - mehr Segen oder Fluch?

"IGeL" - hinter diesem Kürzel verbergen sich Gesundheitsleistungen, die bei Ärztinnen und Ärzten zusätzlich als selbst zu bezahlende Leistungen in Anspruch genommen werden können. Nicht immer sind die Grenzen zu den durch die Kassen übernommenen medizinischen Leistungen offen ersichtlich. Die Verbraucherzentralen Berlin, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben - finanziert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz - einen Test gemacht.

 

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"IGeL" - diese Abkürzung steht für "Individuelle Gesundheitsleistungen", die bei Ärztinnen und Ärzten sowie anderen Gesundheitsdienstleistern in Anspruch genommen werden können. Die Kosten dieser Leistungen sind aber nicht durch die - meist - gesetzliche Krankenkasse gedeckt, sondern müssen von Patientinnen und Patienten im Anschluss an die Behandlung zu 100% selbst bezahlt werden. Einerseits handelt es sich dabei um für die eigene Gesundheit äußerst sinnvolle medizinische Vorsorge- und Ergänzungsleistungen, andererseits um eine Vielzahl an entspannungsverheißenden und ästhetischen Mitteln und Dienstleistungen.

In einem ihrer aktuellen "Marktchecks" haben die Verbraucherzentralen Berlin, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz blitzlichtartig die Angebotsstruktur von "IGeL"-Leistungen in verschiedenen Bereichen unter die Lupe genommen. Die Studie bestand dabei aus drei Teilen:
- In Bezug auf das Anpreisen von "IGeL"-Leistungen in der Öffentlichkeit hat die Verbraucherzentrale die Internetseiten von zahlreichen Gynäkolgiepraxen analysiert. Es zeigte sich, dass "IGeL"-Leistungen nur knapp in der Hälfte aller Fälle als solche oder noch deutlicher unter der Bezeichnung "selbstzahlerische Leistungen" angeboten wurden. Abweichend davon kamen zahlreiche andere Titel zum Einsatz, die nicht unbedingt darauf schließen lassen, dass es sich dabei um selbst zu zahlende Leistungen handelt.
- Eine regelmäßige Durchsicht von Hautveränderungen beim Dermatologen ist eine sehr empfehlenswerte Vorsorgemaßnahme vor Hautkrebs. Dass gesetzliche Krankenkassen diese Leistung für über 35-Jährige bezahlen, ist jedoch nur wenigen bekannt. Wie versuchsweise Anrufe durch das Studienteam der Verbraucherzentrale in dermatologischen Praxen zeigen, weisen nicht alle Praxen auf diesen Kassenanspruch im Telefonat zur Terminvereinbarung hin.
- Bei der Durchsicht von Rechnungen von Augenärzten zeigte sich in wenigen Fällen, dass hierbei unberechtigterweise Kosten für Sehtests bzw. für die Ausstellung von Bescheinigungen über Sehwerte in Rechnung gestellt wurden.

Mit Blick auf diese Studienergebnisse verwies Irene Köhne, die Verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, auf die besondere Vorbildfunktion von Ärztinnen und Ärzten in der Gesellschaft. Nicht nur die Gesundheit ihrer Patientinnen und Patienten, auch der Verbraucherschutz müsse für sie an oberster Stelle stehen. "Ich erwarte, dass IGeL-Leistungen klar und deutlich als solche benannt werden und dass im Behandlungszimmer gesagt wird, wenn bestimmte Leistungen durch die Kassen übernommen würden", so die Berliner Abgeordnete. In einigen Praxen scheint die diesbezüglich gebotene Transparenz noch etwas zu leiden. Gerade aus diesem Grund fordert die Abgeordnete auch die Einführung eines Marktwächters für den Gesundheitsbereich. "Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass dies sehr wichtig ist", so Köhne. Marktwächter für die Bereiche Finanzen und "Digitale Welt" gibt es bereits seit Frühjahr diesen Jahres.

Wer in der Vergangenheit bereits auf Widersprüche in Bezug auf "IGeL"-Leistungen im Rahmen einer eigenen Behandlung gestoßen ist, kann sich an die neue Internetseite www.igel-aerger.de wenden. Neben weitergehenden Informationen wird hier ein Beschwerdeformular der Verbraucherzentrale zur Verfügung gestellt. Beschwerden können einerseits anonymisiert erfolgen, andererseits unter Angabe der jeweils behandelnden Ärztinnen und Ärzte beziehungsweise Krankenhäuser. In letzterem Fall prüft die Verbraucherzentrale rechtliche Schritte und leitet gegebenenfalls Verfahren ein.

 
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