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AKTUELLE MELDUNG VOM 20.05.2014
Bericht aus dem Fachausschuss Natur, Energie und Umweltschutz

Karl Howeyhe, derzeit Praktikant bei Irene Köhne, berichtet ausführlich für alle Interessierten aus dem Fachausschuss Natur, Energie und Umweltschutz. Thema der Sitzung "Wohnungsbau und Grünflächen - wie werden die Klimafunktionen in der Stadt erhalten? Ist das Tempelhofer Feld ein gutes Bespiel für eine klimaangepasste Stadtentwicklung?"

 

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Der Berliner Senat hat durch die Schließung des Flughafens Berlin-Tempelhof, welcher zum 31. Oktober 2008, im Zuge des Neubaus des Flughafens Berlin-Schönefeld still gelegt wurde, zwei ihm unterstehende landeseigene Planungsgesellschaften gegründet. Eine dieser beiden Planungsinstitutionen ist die Tempelhof Projekt GmbH, die mit ihren Mitarbeitern hauptsächlich die Instandsetzung und Vermarktung des Flughafengebäudes Tempelhof ermöglichen soll und auch für zukünftige Nutzungskonzepte ein sich selbst tragendes Konzept erarbeiten muss.

Zusätzlich wurde die Tempelhof Projekt GmbH damit beauftragt, mögliche Bebauungsprojekte für den äußeren Bereich des Flughafenfeldes (Flächen außerhalb des ehemaligen Taxiways bis Außengrenze) zu forcieren, welche im Umkehrschluss auch zu Herausforderungen im Sinne klimatischer, ökologischer und sozialer Beteiligungen für die nachhaltige Stadtentwicklung führen.

Als erster Referent leitete Herr Becker mit der Frage, „Wie werden die Klimafunktionen in der Stadt erhalten/erweitert?“ die Sitzung bezüglich eines eventuell zu erarbeitenden Teilrandbebauungsplanes für die Fläche des Tempelhofer Feldes ein. Aus der Sicht eines Landschaftsarchitekten, so Herr Becker, sei es von enormer Wichtigkeit, den geplanten Wohnungsbau im Kontext urbaner Klimaanpassungen mittels des Einsatzes von Grünflächen begleitend zu unterstützen. Dabei erachtet Herr Prof. Becker das sogenannte „multicodieren“, ein aus fünf Säulen bestehendes Anpassungskonzept für die zukünftige Entwicklung des Berliner Stadtklimas als besonders wichtig.
Ein angenehmeres Stadtgefühl durch die Speicherung und Verdunstung von Wasser als natürlichem „Kühlmittel“ zu erreichen, soll die kommende Gemeinschaftsaufgabe aller beteiligten Akteure der zukünftigen Stadtplanung sein. Im Zuge dieses planerischen Neugestaltens ist so das Begrünen eine der Hauptmaßnahmen. Dabei spielen die horizontale Gestaltung, also das Anlegen von Parkflächen mittels zuvor adäquat ausgewählten Baumbestands, als auch der Einsatz vertikaler Pflanzflächen eine mikroklimatische Rolle. So sollen die Wetterbedingungen, die der Großstadt Berlins während des 21. Jahrhunderts im Zuge der Erderwärmung noch bevorzustehen drohen, abgemildert werden. Neu zu errichtende Gebäude oder eben auch zu sanierende Altbauten in der Umgebung des ehemaligen Flugfeldes würden dann auf Grund von bewässerten Fassadensystemen helfen, diese feuchteren Luftmassen in angrenzende Quartiere zu befördern. So könnten durch diesen landschaftsplanerischen Eingriff sowohl die Luftqualität als auch die gefühlte Wohnqualität zu einem gesteigerten Lebensgefühl der Menschen führen. Zusätzlich würden die mit Pflanzen besetzten Fassaden auch als eine Art „Staubfilter“ der Stadt arbeiten.
Deshalb, so der Landschaftsarchitekt, sei es von besonderem Interesse, wie das vorhandene Flächenpotential der Stadt ausgenutzt werden kann, da gerade die ungenutzten Kleinflächen Möglichkeiten für eine bessere Kühlung und Begrünung der urbanen Lebensräume bieten könnten.

Der zweite Referent an diesem Abend war Herr Dipl.-Geogr. (Diplomgeograph) Peter Trute von der GEO-NET Umweltconsulting GmbH. Dieser hatte auf der Grundlage des Masterplanes vom Oktober 2012 (Plan A) die Luftbewegungen für das Tempelhofer Feld mit Hilfe eines speziellen Geoinformationsprogramms nachvollziehbar bearbeitet, sodass den Betrachter die gegenwärtige als auch die eventuell zukünftige Situation nach der Bebauung des ehemaligen Flughafenfeldes im Bezug zu den möglichen Belüftungsverhältnissen deutlich wurde. Herr Trute, der im Auftrag für die Tempelhofer Projekt GmbH arbeitet, hob dabei die nach einer möglichen Teilbebauung des Feldes verbesserte Situation im Süden, im Gebiet der Stadtautobahn A100, hervor. Auf der Seite des Tempelhofer Damms würden die zwei erhaltenen Start-und Landebahnen auch nach einer möglichen Bebauung dafür sorgen, dass die Luftströmungen von West/Nordwest nach Ost/Südost weiterhin gewährleistet werden könnten.
Als einen weiterhin nicht außer Acht zu lassenden Punkt erwähnte er hierbei noch die starke Erhitzung des zentralen Bereiches während der Sommermonate, der sich unter den gegebenen Umständen zu einem wahren Hotspot aufheizen würde. Leider jedoch wird die westliche Seite (Schillerkiez-Neukölln) hinter dem neu geschaffene „Quartier Oderstraße“ kaum von den erhoffen Be- und Entlüftungsmaßnahmen profitieren können, da dafür die zwei Blockbebauungsareale an den Rollfeldern nicht genügend Zwischenraum bieten. Auch ist die von der Tempelhofer Projekt GmbH ausgegebene Traufhöhe von etwa 21-22 Meter (entspricht ca. 7 Stockwerken) an der zum offenen Flugfeld hin weisenden Blockfläche ein hohes Hindernis für die Durchlüftung der dahinter liegenden Wohnquartiersflächen.

Die dritte und letzte Referentin für diesen Abend war Frau Christine Kuhn, Angestellte der Tempelhof Projekt GmbH und verantwortlich für den Bereich der Erfassung/Erhaltung/Kompensation schützenswerter Biotopflächen. Hauptanliegen der Projektleiterin zur Steuerung der Freiflächen und zur Einhaltung der Naturschutzbestimmungen ist die Sichtung von Kompensationsflächen, die sich in landeseigener Hand im angrenzenden Bundesland Brandburg befinden. Im Verlauf ihre Präsentation hatte Frau Kuhn besonders die Feldlerche und deren gegenwärtig speziell beanspruchten Bedingungen auf der mittleren „Wiese“ des ehemaligen Flugfeldes hervorgehoben. Es wurden von Seiten der Tempelhofer Projekt GmbH und der Senatsverwaltung Berlins insgesamt 3 verfügbare Ausweichflächen als Kompensationsmöglichkeit für diese bedrohte Vogelart ausgewählt. Es wurden die außerhalb Berlins gelegenen Stadtgüter, die sich in den Ortschaften Lanke (nördlich von Berlin), Wansdorf (westlich von Berlin) und Rüdersdorf (südöstlich von Berlin) befinden, als Kompensationsraum für die Feldlerchenpopulation Tempelhofs bestimmt. Es wurden, so Frau Kuhn, schon erste Untersuchungen zur Eignungsbestätigung dieser Biotope durchgeführt. Ein so von den Gegner der Teilbebauung des Tempelhofer Feldes angeführtes Argument wäre somit aus der Sichtweise der Tempelhof Projekt GmbH und der Berliner Senatsverwaltung entkräftet, da nämlich die Initialisierung eines solchen Bauprojektes nicht den Verlust dieses Biotopareales zur Folge hätte, weil nachweislich zum Ausgleich Naturraumflächen zur Verfügung gestellt und auch die Feldlerchen mit umgesiedelt werden würden.

 
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